Das Bildnis der Domina  - Leseprobe

 

„Erregt es dich, von solch schmutzigen Fantasien erfüllt zu sein?“

Kopfnicken.

„Mistress, meine Sehnsüchte bereiten mir genau so viel Angst, wie sich mich erregen.“

„Hier bei uns musst du dich nicht deiner Gefühle schämen“, kam ihre ruhige Stimme, „Komm zu der Herrin, sie versteht genau, was in dir vorgeht!“

Der Sessel, in dem sie saß, kam ihm aus seiner Perspektive riesig vor.

„Na, komm schon näher! Die Herrin erlaubt es dir.“

Bedächtig kroch er näher zu ihr heran Was würde mit ihm geschehen? In seinem Rücken prasselte das Kaminfeuer, warf immer wieder flackernde Licht- und Schattenspiele an die Regale und Buchrücken. Rätselhaft sah es aus. Als würde in den vielen antiken Büchern geschrieben stehen, was mit ihm hier auf Black Swan Manor geschehen würde.

Mild lächelnd schüttelte sie den Kopf.

„Wie feminin deine Erscheinung doch ist! Komm zu mir! Komm ganz nah zur Herrin!“, lockte sie und schob dabei ganz langsam ihre Schenkel auseinander.

„Komm schon!“

Ihre Stimme wurde ungeduldiger.

Eine Sekunde zögerte er. Zu anmaßend war allein der Gedanke, einmal die Intimität der Herrin aus dieser Nähe betrachten zu dürfen.

„Komm und setz dich vor mich hin! Oder willst du wieder die Peitsche bekommen?“, fauchte sie ihn an.

Nach diesem knappen Wutausbruch fuhr er erschrocken zusammen, tat dann das, was sie gesagt hatte, kniete sich vor ihrem Sessel und blickte zu ihr hoch: diese funkelnden, grünen Augen!

„Jetzt sieh mir zwischen die Beine!“

Er schluckte und verstand die Herrin nicht.

„Hab keine Angst! Sieh genau hin!“

Ihre Stimme war wieder liebevoll.

Sein Herz pochte, der Atem ging lauter. Sein Blick wanderte über die glatten, makellosen Beine und die dünnen, schwarzen Seidenstrümpfe die im Schein der Flammen glänzten. Deutlich waren unter ihrem Slip, der nur aus einem Hauch von Seide und zarter Spitze zu bestehen schien, die rosa schimmernden Schamlippen zu erkennen.

Blut pulsierte ihm durch den Unterleib, seine Hoden legten sich an und sein Penis ersteifte.

„Sag mir, was du siehst!“

Fieberhaft versuchte er, die richtigen Worte zu finden.

„Den … den heiligen Tempel der Herrin“, stotterte er.

Den heiligen Tempel … das hast du sehr passend ausgedrückt!“

Ihre Stimme war sanft. Doch er wusste, dass sie ebenso grausam wie Madame Aimée sein konnte. Schon oft hatte er ihre Peitsche zu spüren bekommen. Von seinen Zellenkollegen hatte er aber weitaus Schlimmeres über sie gehört: Geschichten und Gerüchte über ihren Sadismus, den sie zur Erlangung höchster sexueller Lust brauchte. Kalt und gnadenlos sei sie in ihrem Zorn. Einmal soll sie einen jungen Einbrecher in ihrem Schlafzimmer mit einem Kopfschuss getötet haben. Einem Gärtner sollen beide Arme gebrochen worden sein, nur weil ihr seine Arbeit nicht gefallen hatte. Einen stadtbekannten Vergewaltiger  hätte sie  bei einer SM-Session qualvoll unter einer Plastiktüte ersticken lassen. Ihren ersten Mann, ein reicher Baron aus Deutschland, hätte sie in den Tod getrieben, um an sein Vermögen heranzukommen …

Er wollte nicht immer alles glauben, was man sich erzählte. Aber an jedem Gerücht war ja auch stets ein Fünkchen Wahrheit. Ja, er verehrte die Herrin und fürchtete sie gleichzeitig.

Aber jetzt? Sie war doch jetzt so eine großmütige Lady! So verständnisvoll war sie zu ihm!

Er blickte zu ihr hoch, sah ein Nachdenken in ihren Augen. Doch da war noch etwas anderes: dieses dämonische Flackern! 

„Gefällt dir mein Slip?“, unterbrach ihre Frage seine Gedanken.

„Herrin, er sieht … sieht … wundervoll und sündhaft teuer aus. Gerade gut genug für eine wahre Göttin wie Sie.“

Langsam griff sie sich an die Schultern, ließ mit den Zeigefingern die Träger ihres Kleides an den Oberarmen runtergleiten, entblößte so ihre Brüste.

„Sieh dir meine Brüste an und berühre dabei meine Schenkel!“

„Herrin, bitte … ich … darf Sie doch nicht anfassen!“

„Berühr die Herrin! Hast du verstanden?“, wiederholte sie.

Seine zittrige Hand fuhr daraufhin vorsichtig über den Saum des Abendkleides, das dabei kaum hörbar raschelte, dann weiter über ihre Seidenstrümpfe. Sie spreizte die Beine, legte ein Bein über die Armlehne.

„Küss den Tempel der Herrin!“

Er wollte die Herrin nicht küssen! So war er nicht dressiert worden.

„Küss den Tempel der Herrin!“ Ihr unterdrückter Zorn war deutlich herauszuhören.

Er wagte daraufhin den Anflug eines Kusses dort, wo ihre Schamlippen zartrosa durch die feine Spitze des Slips schimmerten. Ein Hauch von Moschus und der unvergleichlich anregende Geruch ihrer Libido umschmeichelten seine Nase.

Er versuchte ein Stöhnen zu unterdrücken.

Sie lächelte, als sie seine Reaktion bemerkte, beugte sich vor und flüsterte ihm ins Ohr:

„Vom ersten Moment an ist mir die ausgeprägte feminine Art an dir aufgefallen. Ich habe ein Gespür dafür.“

Mit diesen Worten griff sie sich ins Haar und löste zwei Klammern daraus.

Wie ihre Hände, so wundervoll waren auch ihre Brüste. Rote Fingernägel, makellose Haut, dazu das lange Haar, wie es ihr über die Schultern fiel.

„Willst du eine von uns werden?“, flüsterte sie, „Willst du dein bedeutungsloses Leben hinter dir lassen? Willst du Teil meines intimsten Kreises werden?“

„Herrin, … ich … bitte!“

„Die Herrin und Madame Aimée brauchen etwas Zerstreuung, ein potentes Spielzeug fürs Bett“, hauchte sie ihm ins Ohr, flüsterte ihm dann zu: „Wir wollen aber weder einen Mann noch eine Frau. Wir wünschen uns ein erotisches Zwitterwesen. Uns ist nach dem wohlproportionierten Körper einer Frau, jedoch auch nach einem prallen und schön geformten Schwanz!“

Ihre Mundwinkel zogen sich leicht nach oben.

„Eine attraktive Transe ist es, was wir wollen!“

Seine Augen begannen zu strahlen. Er hatte nicht einmal Angst vor dem, was sie mit ihm vorhatte, trotz der ganzen Geschichten und Gerüchte, dem Gemunkel der anderen Gefangenen. Sie war göttlich und nur sie wusste, was gut für ihn war.

„Nimmst du mein Angebot an, darfst du hier im Luxus wohnen, während meine Sklaven teuer dafür bezahlen müssen, unten im Kerker zu vegetieren. Du würdest sogar dein eigenes kleines Reich bei uns erhalten und hättest dieselben Privilegien, die Lady Ewa und Lady Seiyoua hier genießen.“

„Herrin, Sie … wissen, dass ich in Ihrer Gegenwart … zu allem bereit bin!“

„Jedoch wirst du alles, was bisher war, hinter dir lassen müssen! Willst du das für die Herrin tun?“

Er sah in das Lächeln ihrer strahlend weißen Zähne und er verstand: Ja, er wollte es!  Koste es, was es wolle, und müsste er dafür alle Brücken hinter sich abbrechen.

„Ein schwarzes Abendkleid aus edler Seide statt eines grauen Anzugs aus Baumwolle, ein sexy Minirock aus Leder oder Latex statt einer langweiligen Cordhose, elegante High Heels statt klobiger Herrenschuhe, Nylonstrümpfe und Strapse statt Herrensocken, lackierte Fingernägel, Lippenstift, Rouge, … und gleichzeitig das Sexspielzeug der Herrin und der Madame? Würde dir das gefallen?“

Die Herrin wollte nicht, dass er aussah wie ein Mann, behaart an den Beinen und an der Brust und mit kratzigen Bartstoppeln, nein, sie wollte ihn so feminin wie nur möglich haben. Sie wollte ein tabuloses Püppchen zum Spielen für sich und Madame Aimée. Und heute … hier und jetzt würde sie seine Eignung austarieren.

„Ja, Herrin, bitte lassen Sie mich eine der Ihren werden!“

„Du wirst deine Männlichkeit dauerhaft ablegen müssen!“

 

Er rang nach Worten, brachte aber nur ein Stottern heraus. Verschüchtert bedeckte er mit der Hand seine Geschlechtsteile, mit dem Arm die Brust, so als wolle er das verbergen, was ihm Männlichkeit verlieh.